Frau mit Hund sucht Mann mit Herz

Oder: Der Traum von Liebe

Manche von euch erahnen es sicher schon: Ich habe nicht nur zuviel Zeit, ich schaffe es auch, sie absolut sinnfrei zu nutzen. So zum Beispiel gestern. Ich habe mir als ich aufgestanden bin erstmal „Last Samurai“ angesehen, ein wunderbarer Heldenepos mit Tom Cruise in der Hauptrolle, der erst den bösen japanischen Geschäftsmännern unterstellt ist und sich dann am Ende nicht nur zu einem echten Samurai entwickelt, sondern auch als letzter dieser Art Kämpfer übrigbleibt. Nebenbei rettet er noch Japan vor einem Vertrag mit den USA, der nur der japanischen Oberschicht Vorteile entgegengebracht hätte und somit der breiten Masse eher geschadet hätte. Aber genug von diesem Film. Danach habe ich… gepostet. Und das tue ich jetzt schon wieder. Warum ich das tue?

Nun ja, in „Last Samurai“ bringt Tom Cruise einen Samurai um. Die Frau dieses Samurai nimmt Tommy dann bei sich auf. Anfangs hasst sie ihn, doch später verlieben sich die beiden (wie sollte es anders sein…) Immerhin wird der Wiedersehenskitsch am Ende, als Tommy ja als einziger Überlebende ins kleine, abgelegene Bergdorf zurückkehrt, nur angedeutet. Keine ewig langen Szenen, geprägt vom Sich-in-die-Arme -fallen und Sich-küssen-bis-die-Lippen-berkrampfen… ich war dankbar.

Heute abend rächte sich dann das Schicksal. Das heutige Fernsehprogramm: Zu Anfang Frau mit Hund sucht Mann mit Herz, anschließend Men in Trees (Serie, läuft auf Vox). Zum ersten Teil (Ich habe ihn leider erst ab der Hälfte verfolgt): In diesem Film geht es um einen klassisch tragischen Fall der alleinstehenden, anscheinend beziehungsunfähigen Frau über vierzig, die sich immer in die falschen Männer verliebt und irgendetwas an einer Grundschule arbeitet, vermutlich Lehrerin oder Erzieherin. So auch dieses Mal: Auf der einen Seite gibt es den jungen, charmanten, gut aussehenden, künstlerisch veranlagten Jack. Auf der anderen Seite der Vater eines der Grundschulkinder, auch charmant, aber älter und viel schmieriger als Jack. Für wen wird sie sich wohl entscheiden? Es kommt, wie es kommen muss: Sie entscheidet sich erst für den Vater, misstraut ihm dann aber. Dann küsst sie Jack. Daraufhin kommt der Vater zu ihr, gibt sich als unschuldig aus und küsst sie. Jack, der das sieht, ist zutiefst gekränkt. Er bricht daraufhin erstmal den Kontakt zu ihr ab. Sie schläft mit dem Vater. Als sie diesen auf eine Affäre anspricht, die er anfangs noch bestritten hatte, gibt er zu, dass er diese hatte. Daraufhin verlässt sie ihn wieder und heult sich ca. 4 Monate lang die Augen aus, weil sie zu dumm war. Dann findet sie am Ende doch zu Jack, der sich in der Zwischenzeit erst völlig zurückgezogen hatte und ca 1 Million mal Doktor Schiwago angesehen hatte und sich anschließend mit jungen Mädchen die Zeit vertrieben hat. Welch ein überraschendes Ende! Das hat mich echt umgehauen, als ich es gesehen habe.

Bei Men in Trees sah die Welt schon besser aus. Ein junger Mann steckte mit seiner Hand in einem Kondomautomat fest. Das Kondom wollte er haben, weil seine Freundin vorher mit ihm schlafen wollte, er jedoch panisch weggerannt war. Dieser Fehler sollte nun also korrigiert werden, und dafür brauchte er ein Kondom. Da der Automat allerdings klemmte oder in irgendeiner anderen Art und Weise defekt war, versuchte besagter junger Mann nun also, dennoch ein Kondom zu bekommen. Dazu steckte er seine Hand darein, wo normalerweise das Kondom rausfällt. Und bekam sie da nicht mehr hinaus. Da er aber immer noch dringend zu seiner Freundin musste, wurde der Automar kurzerhand von der Wand entfernt. So lief der Arme mit einem großen Kasten an der Hand durch die Gegend. Das war sehr lustig anzusehen. Auch die Reaktion der Freundin war auch sehr amüsant. Ich möchte das aber hier nicht weiter ausführen.

Jedenfalls durfte ich mir gestern gleich drei tragische Liebesgeschichten ansehen. Geprägt waren sie von drei Dingen: Zum einen von Partnern, die besser aussehen als jeder, den man im echten Leben findet. Zum zweiten von übertrieben dargestellten, schrecklichen Schicksalen, die eigentlich ganz harmlos sind, wenn man sie mit denen von Opfern von Gewaltverbrechen vergleicht. Schließlich und endlich bliebe da noch die Perfektion, mit der sich die Dinge gegen Ende immer ganz von selbst lösen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Was einem die Medien heute über Liebe und Beziehungen beibringen, ist überholt und unrealistisch. Es gibt nicht den Mr. Right. Es gibt vor allem keinen Mr. Right, den man auf den ersten Blick erkennt. Und dann sofort auf einen Kaffee einlädt. Und bei dem schon nach einer maximal fünf Minuten dauernden Unterhaltung klar ist, dass man ihn heiraten und will und Kinder bekommen sowieso… Hollywood und Disney schaffen es wirklich, Kindern und Teenagern erst wahnsinnig viele Hoffnungen zu machen, und sie dann sitzen zu lassen, wenn sie völlig am Boden zerstört sind, weil ihre Erwartungen von keinem lebenden Wesen erfüllt werden können. Solche Sadisten.

Ihr seht schon, ich stehe der großen, alle Schwierigkeiten überwindenden Liebe sehr kritisch entgegen (obwohl meine Schokolade und ich dieser Liebe sehr, sehr, sehr nah kommen). Sie ist ein schöner Traum, den ich gelgentlich irgendwo in meinem Herz verstecke und immer dann anzusehen pflege, wenn ich mich mal wieder so richtig Hals über Kopf in jemanden verliebt habe. Diese Verliebtheit ist meist nicht von Dauer, aber dafür berauben sie mich meiner Konzentration, meiner Motivation und meiner Arbeitsbereitschaft. Verliebt zu sein ist doch immer wieder schön. Vor allem, wenn es so ergebnislos ist wie bei mir. Denn egal, wie sehr ich versuche, perfekt für das männliche Wesen, das ich anschmachte, zu sein, es gelingt mir nie. Meist liegt das daran, dass Jungen auf Mädchen stehen, die nicht nur still in der Ecke sitzen und deren Nase überproportional im Vergleich zum Rest ist. Vielleicht sind es aber auch einfach nur die falschen Jungen, die viel zu oberflächlich für mich sind. Wer weiß. Jedenfalls habe ich inzwischen die feste Meinung, dass Liebe ein Arschloch ist. Und wehtut.

Eines Tages wird jemand kommen und mich von diesem Glauben befreien. Das hoffe ich zumindest. Bis es soweit ist, kann ich mich immer noch hinter Goth Metal, Nu Metal, Klaviermusik, Rock und Alternative Rock verstecken und ein bisschen so tun, als sei ich ein Emo. Dafür eignen sich übrigens Lieder, die Suizid zum Thema haben. Es gibt da ein paar ganz lustige. Bei Interesse einfach an Leonie, Margie oder mich wenden^^

Jetzt habe ich also allen meinen (wenigen) Lesern noch mehr Anlass dazu gegeben, mich merkwürdig zu finden. Mist. Abschließend würde ich gerne nochmal erwähnen, was heute so passiert ist: Ich bin erstaunlicherweise pünktlich zum Weckerklingeln aufgewacht. Aufgestanden bin ich trotzdem erst um elf. Ich habe mich als erstes vor den Fernsehr gesetzt und dort mein Frühstück (Schokoknuspermüsli von Dr. Oetker) zu mir genommen (und das in Massen). Anschließend habe ich mir „TRL Rock“ angesehen und dazu meine Armmuskeln trainiert. Ich habe mir nämlich vorgenommen, etwas für mich und meinen Körper zu tun, vor allem was Sport und Ernährung angeht. Die Sache mit der Ernährung habe ich dann auch schnell wieder teilweise verworfen, in dem ich sowohl ein Eis als auch M&Ms gegessen habe. Zum Teufel mit Diäten. Ansonsten habe ich eigentlich nur Französisch gerlernt, gechattet, Musik gehört und mir eine geniale Rede von Barack Obama angesehen (gibt es auf zdf.de ohne die nervige Übersetzung. Die Rede wurde heute in Berlin gehalten und ist wirklich sehenswert). Jetzt gibt es gleich Essen und mein Vater versucht seit einer Viertelstunde, mich vom PC wegzulocken. Vielleicht kommt meine Mutter, die heute geschäftlich nach Berlin geflogen ist, ja pünktlich zum Essen hier an. Dann bekomme ich meine Glamour und die Cosmopolitan, die sie sich aus dem Flugzeug mitnehmen wollte, schon sehr bald (ich lese die Hefte eigentlich nur, weil sie so lustig sind, und nicht, weil sie mich wirklich interessieren, auch wenn die Teile, die sich mit Beauty und Mode beschäftigen, teils ganz informativ sind).

Also, jetzt reicht aber langsam mal.

Liebe Grüße, und ja, ich bin ein Freak und ich bin total psycho. Wenn ihr das von mir denkt, habe ich vollstes Verständnis.

~ von Sarah am Juli 24, 2008.

3 Antworten to “Frau mit Hund sucht Mann mit Herz”

  1. As lead rains
    will pass on through
    our phantoms
    forever,
    forever
    ……..
    I’d end my days with you
    in a hail of bullets
    ……..
    meinst du so etwas, ganz zufällig? Das verrückteste ist, dass mich solche Lieder am meisten inspirieren, aber das ist ja wieder eine andere Sache.

    Ich konnte dem, was du gerade über Liebe gesagt hast, teilweise einfach nur beipflichten. Es ist alles so bizarr. Wir wachsen auf mit ihr, sie wird immer wieder erwähnt, in Kinderfilmen, in Märchen. Später dann in „erwachseneren“ Filmen, und trotzdem ändert sich kaum etwas: Die Geschichten haben meist ein Happy End, es handelt sich so oft um die „echte, wahre Liebe“, von der wir vielleicht irgendwo in unserem Innern ahnen, dass sie nur ein Phantom ist. Und trotzdem zeigen unsere realitätsfremden Medien eigentlich nur unser Innerstes: wir wollen geliebt werden, wirklich und wahrhaftig geliebt werden, wir wollen unser verdammtes Happy End mit Mr. Right. Mit Jared, wenn wir mal in Insidern sprechen wollen ;)

    Vor kurzem habe ich in irgendeinem Artikel einen Satz gelesen, irgendwas, was in die richtig geht „… because at the end of the day, all we want is just someone who really, truly loves us …“
    Das Zitat war eigentlich viel besser, aber ich kann es nicht auswendig.
    Naja, was zeigt uns jetzt all das? Vielleicht nur eines: We’re soppy creatures. Denn wenn Rosamunde Pilcher und andere Filme dieses Genres soviele Quoten bekommen, sagt das shcon auch etwas über uns aus.

    Ich würde jetzt ja gerne sagen, „Hey, seht mich an, ich bin anders!“, aber ich müsste lügen. Ich träume ebenfalls gerne von der Liebe, auch wenn ich nicht unbedingt an sie glaube (zumindest jetzt nicht, grade bin ich ja auch nicht verliebt). Ich lese Twilight. Ich liebe Romeo & Juliet (okay, das hängt auch damit zusammen, dass Shakespeare einfach brilliant ist, aber ihr versteht, was ich meine). I’m a soppy creature.

    Tut mir leid, dass ich gerade selber einen Roman geschrieben habe – dein Post hat mich so wahnsinnig inspiriert und fasziniert ;)
    Ich musste einfach herumphilosophieren, sollte es dich stören – lösch diesen Kommi, ich schreib dir dann einen Kürzeren. Wirklich genialer Post, toll! ;)

  2. und.. wieder ein toller beitrag! es ist wirklich interessant, sarah, was du dir für komische sachen ansiehst jaja^^
    oh es gibt im svz auch die gruppe:
    „Disney hat mir unrealistische Erwartungen von der Liebe gegeben“ ist das nicht toll? hachja.
    super post.

  3. hallihallu sarah
    oh man, mir gehts wie dieser frau mit dem hund, nur hab ich leider keinen hund :( ich verlieb mich auch immer in die falschen!! so ein scheiß uaaah!!! irgendwas mach ich immer falsch, ob ich IHN nur falsch versteh, es mir versau oder einfach nicht „die Richtige“ bin :/ ich vetraue trotzdem in den guten Geschmack von Frau von Manteuffel, dass wir hübsche jungs kriegen, immerhin hat sie doch mehrere seeeehr gut aussehende jungs ausgesucht hehe
    ach scheiß drauf.. brauchen wir das eigentlich? ich lebe gerade sehr asexuell und habe keine probleme =) und hey ich geh nach spanien.. da sind sicher irgendwo hübsche jungens.. und wenn nicht, gibt’s sicher hübsche mädels :D :D vielleicht werd ich bi?
    okay, mal schauen^^
    deine beiträge sind supi hab dich soo liieeep kusseli =*

Eine Antwort schreiben